Hauptstrommonster

(von Stefan Hurnaus)

Eine sengende und brütende Saharahitze haben halb Mitteleuropa fest im Griff. Es gelingt nur schwer sich dieser heißen Luft zu entziehen, geschweige denn überhaupt ans Wasser zu fahren, um auf einen Fang aus zu sein. Nichts desto trotz hatte ich eine Zeitlücke in der Kalenderwoche und diese gehörte ausgenützt. Mit Frau und Kind ist dies durchaus verständlich.

Vor der Hitze ist nach dem Hochwasser

Erst zwei Wochen mit Temperaturen bis über die 30° Grad Marke, dann starke Regenfälle, die die Donau wieder einmal rasend schnell ansteigen und dreckig werden lässt, bis eine Sahara Strömung wiederum sehr heiße Luft zu uns bringt. Wetter und Wasser Bedingungen extrem sozusagen.

Vorbereitung

Da mein ursprünglicher Spot bzw. Abschnitt nicht so ergiebig war, wie ich vorher erhofft hatte, versuchte ich mich kurzerhand an einem anderen interessanten Schleusenabschnitt. Bei sinkenden Wasserstand präparierte ich einen Spot mit insgesamt fünf Kilogramm Ciric Milk Boilies in verschiedenen Größen und Formen, die die Bait Fabrik, mein Sponsor, extra für mich rollte. Und das auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Somit sollte sich ein möglicher Misserfolg in Grenzen halten.

Die Session

Mittags bei sengender Hitze belud ich meinen Trolley nur mit dem Nötigsten und bezog den zuvor vorbereiteten Platz am Hauptstrom. Der Aufbau des Camps erfolgte in dieser Saison mittlerweile fast schon per Autopilot. PVA`s vorbereiten, Ruten beködern, rausschnicken auf die Kante und fertig ist der Spuk schon wieder. Mit einer Rute lenkte ich um eine Ecke, ansonsten konnte ich den Spot nicht befischen. Genau diese Rute sollte am Abend eine entscheidende Rolle in meinem bisherigen Anglerleben einnehmen.

Doppelrun

Nachdem das anderweitige Tackle verstaut wurde, begann wie üblich an der Donau, das lange Warten. Jedoch sollten keine drei Stunden vergehen, bis sich bereits der erste Biss einstellte. Nach einem sehr kurzweiligen Drill konnte ich einen Mini-Spiegler auf der Matte begrüßen. Doch als ich den kleinen Genossen gerade versorgte, meldete sich die Rute mit der ich umgelenkte, mit einem Dauerton. Schnell den Fisch zurücksetzen und im Blitztempo den Kescher zusammenbauen, dann kann es auch schon wieder losgehen. Jedoch hatte der Fisch bereits gefühlte 100 Meter von der Rolle gerissen.

Mensch vs. Fisch/Schiff

Mein Gegner zog so rasend schnell stromabwärts, dass ich zusehen musste, überhaupt nach zu kommen. Zumindest versuchte ich es so gut es ging. Wie es der Zufall wollte, fuhr genau in diesem Moment ein Frachtschiff vorbei, welches stattliches Wellen nach sich zog. Dabei musste ich aufpassen, dass meine Watstiefel nicht vollliefen. Dieses Ereignis lies den Fisch ziemlich kalt, denn dieser änderte daraufhin seinen Kurs in Richtung Flussmitte. Jedoch musste meinem Gegenspieler diese Entscheidung viel Kraft gekostet haben, denn nach dieser Aktion kam der Fisch kontinuierlich näher. Nach einigen kleinen Fluchten, gelang der erste Kescher-Versuch auf Anhieb. Durch die starke Trübung des Wassers sah ich erst jetzt die Ausmaße des Fisches.

Der Fisch meines Lebens

Beim zurückwaten zum Platz rechnete ich schon mit einer persönlichen Bestleistung im Fluss, noch aber ahnte ich nicht welch ein Monster ich im Netz hatte. Noch bevor ich den Fisch wog folgten erste Telefonate, um ein paar brauchbare Fotos zu machen. Mittlerweile wurde der Fisch bis zum Eintreffen meines Fotografen versorgt, aber noch nicht gewogen. Ich wollte den Augenblick der Wahrheit einfach mit jemanden teilen. Um die werten Leser nicht länger auf die Folter zu spannen. Wir wogen den Fisch ganze vier Mal, denn immer wieder hatten wir das Gefühl, dass etwas nicht stimmen konnte. Jedoch zeigte die Waage nach mehrmaliger Überprüfung immer wieder dasselbe Gewicht an. Abzüglich der Wiegeschlinge zeigte die Waage unglaubliche 27,4 Kilogramm an!!!!! Neuer österreichischer Personal Best und das Ganze im Hauptstrom des zweitgrößten Strom Europas, der Donau. Solch einen Fisch in so einem Gewässer ist eine absolute Ausnahme und bleibt nach wie vor das Salz in der großen und zumeist braunen Suppe.

Forever thight lines

Stefan Hurnaus

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