Doch keine Nadel im Heuhaufen? – by Jonas Hillebrands

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Doch keine Nadel im Heuhaufen? – by Jonas Hillebrands

Um es kurz zu machen, ich habe es tatsächlich geschafft an meinem neuen Vereinsgewässer den König des Sees in den ersten Angelstunden dort zu bergen.

Hört sich unglaubwürdig an?

Kann ich bestens nachvollziehen, aber genau so hat es sich zugetragen vor ein paar Wochen!

Es war Anfang Juni und ich wollte nach den ersten 5 vergangenen Monaten im Jahr 2018 endlich einmal die Luft an diesem neuen See kennen lernen. Im Vorfeld hatte ich mir eine Stelle ausgewählt, die an den vielen Wochenenden relativ stark frequentiert war und somit stand ich logischerweise vor dem Problem, dass ich mir nicht sicher sein konnte diese Stelle auch zu befischen.

D-Rigs
Multi-Rig

Warum suchte ich mir solch eine stark angelaufenen Stelle überhaupt aus?

Durch lange Location in einigen Vortagen war schnell erkennbar, dass sich in der Nähe der Stelle einige Fische aufhielten. Da kann die Stelle so stark frequentiert sein wie sie will, wenn Fische in der Nähe sind muss dort auch geangelt werden!

Ich nahm mir kurzerhand 2 aneinander folgende Tage frei und bewältigte und meine Fischerei unter der Woche. Das Wetter in Form von massiver Sonne und hohem Luftdruck lies mich zu dem Schluss kommen es vorerst mit Single-Hookbaits oder nur ganz wenig Beifutter zu probieren.

Meine Taktik zum Start sah also folgendermaßen aus. Da ich hier mit 3 Ruten fischen konnte, wählte ich zum einen ein Multi-Rig, welches mit einem unserer pinken Flouro Pop Up´s bestück wurde. Meine Pop-Ups behandle ich vor dem Gebrauch immer zusätzlich mit flüssigen Additiven da die Pop-Up´s meist bei nicht optimalem Angelwetter montiert werden.

Die zweite Rute fischte ich ein D-Rig mit einem Base Mix Weightless Hookbait, wobei ich hier circa 30-40 Big River Boilies in 20mm beifütterte.

Die dritte Rute wurde ganz simpel gefischt mit einem no knot Vorfach, langem Haar und einem Schneemann, bestehend aus eine White Ball in Form eines Kissens und einem halben gelben Pop Up um hier das Gegengewicht möglichst zu egalisieren. Futtertechnisch hatte ich hier ungefähr 1kg gemixt aus Big River Boilies, White Balls und einigen Tigernüssen großflächig verteilt.

Die meisten Fische schienen jedoch weit am gegenüberliegenden Ufer zu stehen oder aber ganz hinten in der Bucht des Platzes. Da es hier auf der gegenüberliegenden Seite keinen Platz gab, war ich also gezwungen die Ruten auf sehr lange Distanzen ab zu klippen und warf sie von 29 Wicklungen bis maximal 32 Wicklungen an die Spots.

Es schien relativ simpel, warum die Fische an den Stellen standen, wollten Sie einfach nur dem wochenlangen Angeldruck in der Ecke umgehen. Aber nochmals, will man möglichst viele Fische fangen, muss man möglichst direkt an Ihren Aufenthaltsorten angeln. Diese These kennt womöglich jeder, aber nur die wenigsten nehmen sich genügend Zeit um diese Stellen auch zu suchen!

Die Ruten lagen also nun alle auf Ihren Spots und ich bereitete meinen ersten Kaffee vor. Es dauerte ungefähr 2 Stunden bis der Bissanzeiger einen einzelnen „Piep“ von sich gab. Interessiert beobachtet ich die Schnur und stellt fest, dass diese sich ganz minimal straffte. Ich fischte hier alle Ruten Slack-Line also mit komplett durchhängenden Schnüren um den Druck möglichst minimal zu halten.

Als die Schnur dann wieder fiel und der Stow Bobbin ebenfalls, nahm ich die Rute auf und hatte direkt den Kontakt zum Fisch, nach kurzen aber schnellen Kurbelumdrehungen. Ich denke, dass dieser in meiner Anhiebsphase den Haken gerade wieder loswerden wollte und wer weiß was passiert wäre, wenn ich länger gewartet hätte?

Der Kontakt war also da und der Fisch zog direkt in das angrenzende Unterholz meines eigenen Ufers. Stellt euch vor, dass ich die Rute relativ parallel an meinem rechten Ufer entlang geworfen hatte. Klar, da liegt es auch sehr nah, dass der Fisch diese Hindernisse gezielt aufsucht. Glücklicherweise wusste ich aber, dass in den verschiedensten Arbeitsdiensten hier die größeren Hindernisse entfernt wurden. Trotz all dem Wissen bemerkte ich schnell, dass der Fisch wohl doch einige Äste gefunden haben musste, die er sich zu Nutzen machen wollte. Diese typischen, ekeligen Vibrationen in der Schnur und Rute veranlassten mich dazu, ein wenig Druck aus meinem Drillverhalten zu nehmen.

Ich hatte in der Vergangenheit des Öfteren beobachtet, dass zu heftiger Gegendruck des Anglers den Fisch nur noch mehr dazu veranlasst das Hindernis auch wirklich zu erreichen. Glücklicherweise löste sich der Fisch nach kurzer Zeit von selbst und suchte nun das Freiwasser auf um wieder ordentlich Druck zu geben.

Kein hektisches Verhalten konnte ich seit Beginn des Bisses erkennen und somit lag es relativ nah, dass einer der besseren Fische sich mein Kissen hat schmecken lassen. Es waren bis dato mit Sicherheit schon 15 Minuten vergangen als ich den Fisch das erste Mal an der Oberfläche zu Gesicht bekam.

Definitiv einer der schweren Bewohner!

Grundsätzlich geben sich die meisten Fische nach den ersten Luftblasen geschlagen aber dieser vor Energie strotzende Fisch noch lange nicht. Ich stand hier nun schon über 20 Minuten und er schwamm immer und immer wieder nur weniger Meter vor dem Kescher auf und ab. Es ging immer von links nach rechts und dann wieder umgekehrt. Der blanke Horror also, zumal ich bereits seit einigen Minuten wusste, dass dieser Fisch echt riesig war!

Als er dann kurze Zeit später auch noch ein Hindernis fand zu meiner linken, lagen die Nerven komplett blank. Der Fisch hing fest, keine 4 Meter vor meinem Kescher in 3 Metern Tiefe. Druck leicht und vorsichtig nachgegeben, nichts passierte! Winkel mehrfach verändert, wieder kein Zeichen das ich ihn freibekommen könnte.

Was nun?

Hose, T-Shirt aus, der Fisch muss unbedingt raus, es kann so einfach nicht enden!

Ich stand dort nun schon fast komplett blank, als es kurz in der Rute zuckte: „NEIN, das darf nicht sein!“

Es war zum Glück nicht so und dieser ominöse Ruck bewirkte aus irgendeinem Grund, dass der Fisch sich löste und direkt zur Oberfläche aufstieg. Ich sprang sofort in das Wasser, drückte mit aller Kraft der Kescher nach vorne und dann noch heftiger nach oben!

Keschernetz oben komplett gerissen, völlig egal, das Brett war endlich im Kescher!

Ich schaute in den Kescher, zog mein Handy hervor um den Jungs davon zu berichten, weil ich meine Freude einfach mit den anderen teilen wollte. Der nachträgliche Wiegevorgang zeigte dann exakt 26,6KG an und bestätigte mir, dass ich den Seekönig in meiner ersten richtigen Session gefangen hatte. Und dazu kommt auch noch, dass es der allererste Fisch aus diesem See für mich war, unglaublich.

Die Story wäre so schon einfach zu perfekt gewesen aber ich wollte nun natürlich mehr. Man sollte immer meiner Meinung nach nie mit sich selbst zufrieden sein und versuchen noch mehr Kapital aus jeder einzelnen Session zu holen.

Zusammengefasst konnte ich in meinen knappen 40 Stunden Angelzeit insgesamt 23 Fische fangen, was vieles bis dahin Erlebtes komplett in den Schatten stellte. Die Fische bissen im Stundentakt und durch logisches angeln, kombiniert mit gutem Futter und einer gewissen Zielgenauigkeit bei den teils brachialen Würfen ermöglichten mir einer meiner besten Sessions bis dato.

In diesem Sinne, sucht und fangt Sie dann!

Cheers!

Jonas

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