Hindernissangeln – von Patrick Buhr

Lokation ist einer der wichtigsten Faktoren beim Karpfenangeln. Wer die Fische findet, fängt sie meist auch. Ein erster Anlaufpunkt an einem neuen Gewässer sind meist auffällige Strukturen, da sich die Karpfen oft an Ihnen orientieren. Dazu zählen Kanten, Plateaus, und eben auch Hindernisse. Diese Hindernisse sind oft Holdingareas für die Fische. Sie suchen dort Schutz und starten von dort aus auf ihre Frassruten. Oft fressen sie auch direkt in den Hindernissen. Wenn man an diesen Spots ein paar Grundregeln beachtet, kann man die Fische dort schnell finden und fangen. Ich möchte in diesem Tutorial zwei Arten von Hindernissen aufgreifen, die ich besonders interessant finde und an denen sich in fast jedem Gewässer immer wieder Karpfen aufhalten. Das sind zum einen Seerosen und zum anderen Totholz.

Seerosenfelder sind immer interessante Spots und oft erste Anlaufstellen an neuen Gewässern. Je nachdem, wie dicht und groß ein Seerosenfeld ist, befische ich dieses anders. Bei dichten Seerosenfeldern ist es meist die einzige Möglichkeit, an deren Kanten die Fische abzupassen und sie nach dem Biss davon abzuhalten, in das Dickicht hinein zu schwimmen. Wie? Das wird beim Angeln am Totholz noch genauer erläutert, da es dort noch viel wichtiger ist, den Fisch zu halten. Natürlich kann es immer auch passieren, dass ein Fisch in die Seerosen gelangt. Bei der zweiten Art von Seerosenfeldern tut er das sogar zwangsläufig. Große und weniger dichte Seerosenfelder ziehen sich an einigen Seen über weite Flächen. Hier lege ich bevorzugt mitten in den Seerosen ab. Denn genau hier stehen die Fische und fressen durch den vermeintlichen Schutz auch relativ arglos. Natürlich schwimmt der Fisch beim Biss aber auch direkt durch die Seerosen. Aber keine Panik. Ich verwende bei Seerosen eine möglichst dicke monofile Schnur. Diese ist sehr abriebfest und schneidet sich nicht in die Pflanzen. Wenn ihr ein Boot benutzen dürft: optimal. Einfach die Schnur locker lassen und dem Fisch entgegen fahren. Die Schnur läuft dann locker durch die Blätter und lässt sich durch leichte Rucke mit der Rute gut daraus befreien. Meist gelangt man so problemlos zum Fisch und kann diesen frei drillen. Aber auch vom Ufer aus stellt der Drill in solchen eher lichten Seerosenfeldern mit einer dicken monofilen Schnur kein Problem dar. Einfach den Fisch mit kontinuierlichem und nicht zu hohen Druck langsam und Stück für Stück um die einzelnen Blätter herum durch die Seerosen ziehen. Bewahrt die Ruhe und Ihr könnt auch hier die Fische sicher landen. In Seerosenfeldern füttere ich recht großflächig, um möglichst viele Fische, die sich dort aufhalten, anzusprechen und zum Fressen zu animieren.

Deutlich kritischer, als das Angeln in Seerosen ist es, die Fische am Totholz zu beangeln. Dieses stellt ein Hindernis da, aus dem der Fisch, einmal festgeschwommen, kaum zu befreien ist. Trotzdem reizen diese Plätze natürlich. Oft sind die Fische gerade im Frühjahr im Holz beim Sonnen zu beobachten. Klar will man da einen Versuch wagen. Man sollte sich nur immer auch seiner Verantwortung und dem Risiko bewusst sein. Das wichtigste bei unserem Hobby ist das Wohl des Fisches und dieses sollte nicht für einen guten Fang riskiert werden. Wenn Ihr also am Holz angelt, schließt möglichst komplett aus, dass ein Fisch ins Holz gelangen kann und auch dass in diesem Fall die Schnur reissen kann. Denn das ist der Worstcase bei der Totholzangelei und führt dazu, dass der Fisch mit Haken im Maul und unserer Schnur daran herumschwimmt und im schlimmsten Fall daran verendet. Es mag sich jetzt etwas stumpf anhören, aber ich Fische an diesen Spots einfach eine 0,50er Schlagschnur durchgehend. So vermeide ich das Risiko von Schnurbruch und kann im Drill bedenkenlos großen Druck ausüben. Außerdem reißt diese auch nicht sofort wenn der Fisch doch mal einen Ast zu fassen bekommt. Doch auch wenn die Schnur hält ist der Fisch meist weg. Es ist Wahnsinn wie leicht es den Karpfen fällt mit einem Ast als Hebel sich auch einen gut sitzenden Haken abzuschütteln. Die Bremse ist wann immer möglich komplett geschlossen. So kann der Fisch absolut keine Schnur von der Rolle ziehen. Das gilt auch für den Drill. Das wichtigste bei einem Biss ist, dem Fisch absolut keine Chance zu geben. Ich nehme die Rute auf und beginne bei geschlossener Bremse, den Fisch vom Hindernis wegzuziehen. Oft konnte ich beobachten, dass genau dies nicht gemacht wird und dann nimmt sich der Fisch die Schnur, die er braucht, um ins Hindernis zu gelangen. Es ist schon eine brachiale Gewalt, wenn ein Schuppi von über einem Meter und 20 Kilo mit voller Kraft in Richtung Holz marschieren will und ein komisches Gefühl, einfach die Spule festzuhalten, um ihm keine Chance zu geben. Verwendet man aber stabile Materialien und der Haken sitzt gut, sind auch solche Fluchten bezwingbar. In den ersten 10 Sekunden des Drills entscheidet sich, ob der Angler die Oberhand behält. Habt Vertrauen ins Material und haltet dagegen! Nach den ersten 1-2 erfolgreich abgefederten Fluchten kann man den Fisch dann meist ein Stück vom Holz wegziehen. Nun ist die größte Gefahr gebannt und der  Dill beginnt. Auch die Futterstrategie ist für eine erfolgreiche Angelei und auch einen sichereren Drill am Totholz sehr wichtig. Ich füttere immer ein paar Boilies mitten im Holz, um die Fische dort zum fressen anzuregen. Der Futterplatz zieht sich dann aus dem Holz heraus und endet ein Stückchen außerhalb. Der Hakenköder ist dann einer der letzten Köder und somit am weitesten vom Holz entfernt. Damit hat man im Drill zumindest ein Bisschen Spiel. Hochattraktives Futter wie zum Beispiel unsere CIRIC Milk Range verhilft bei dieser Angelei oft zu deutlich mehr Bissen, da es die Fische besser aus ihrer sicheren Holdingarea locken. Auf diese Weise konnte ich in diesem Jahr bereits viele tolle Fische erfolgreich an Hindernissen Überlisten.

Ich hoffe ich konnte euch die Hindernisangelei hiermit ein bisschen näher bringen und euch auch für den Umgang mit den entsprechenden Risiken sensibilisieren. Vielleicht verhelfen die Tipps ja dem ein oder anderen zum gewünschten Erfolg.

Liebe Grüße Patrick

 

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