Im Fluss bleiben……

von Stefan Hurnaus

Werte Leser, wer sich in diesem Artikel massenhaft Fisch erwartet, der sollte lieber an eine übervolle Forellenzucht fahren und sich sein wertvolles Datenvolumen für andere Dinge sparen. Derjenige der sich auf einen -ich kam, sah und siegte Artikel- freut, denjenigen muss ich leider auch enttäuschen. Vielmehr soll es meine Absicht sein, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und erworbene Erfahrungen wider zu geben.
Grau in Grau!
Johann Strauß schrieb einst seine weltbekannte Kreation ,,An der schönen blauen Donau‘‘, doch dieser Titel müsste mittlerweile längst umgeschrieben werden, denn der zweitgrößte Fluss Europas ist schon längst nicht mehr blau, wie vielleicht vor 150 Jahren. Der große Strom ist zumeist, je nach Niederschlag, in allen möglichen Grautönen anzutreffen. Und genau dort müssen wir Angler den Stift ansetzen, denn mit der Farbe des Wassers hängt unser Erfolg beziehungsweise Misserfolg ab. Um ein Gewässer lesen oder verstehen zu Lernen dauert es Jahre, wenngleich nicht Jahrzehnte.
Erst Brassen, dann Karpfen
Meine große Aufgabe im 2017, war die Hauptströmung der Donau. Leider Gottes konnte ich mein Vorgehen erst am 1. Juni beginnen, da im Mai Schonzeit ist und die Monate von Januar-April der große Strom einfach noch kalt und zu unberechenbar ist, um unsere gelben Freunde kontinuierlich auf den Plätzen fangen zu können. Genau deswegen nutzte ich die Zeit um Location, Location und noch vielmehr Location zu machen. Ich wollte zum Ende der Schonzeit die Fische lokalisiert haben, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Ich konnte einen Bereich eingrenzen, wobei ich die Fische beim Zusammenrotten für die Laichzeit beobachten konnte. Ganz genau ich konnte Karpfen in der offenen Donau beim Liebesspiel ausmachen. Ein sehr spezielles Erlebnis, denn in einem Schleusenbereich der fast 20 km lang ist, kommen 100-200 Fische genau auf eine etwa 100 m langen Bereich zusammen. Auf diese Stelle wollte ich mich in den nächsten Wochen konzentrieren. Mit wenig Futter ging es ans Werk, denn die Fische hielten sich ja schon in diesem Teilstück auf. Ich musste die Karpfen nicht mehr von weiß Gott woher anlocken. Da das Wasser hierbei nur etwa 60 cm tief und bis auf ein paar kleine feie Stellen komplett zugewachsen war, wagte ich einen Tagesansitz mit ein paar auffälligen Pop ups. Mittels Wattstiefel und Rute in der Hand platzierte ich meine Falle direkt auf einer krautfreien Stelle. Beim zurück Watten zum Platz vernahm ich im Hintergrund bereits wieder buckelnde Fische. So kam es, dass nach nicht einmal einer halben Stunde bereits der Biss kam. Auch auf Fische stalken ist in der großen offenen Donau möglich. In den nächsten Wochen gelang es mir immer wieder einige schöne Fische auf der Matte begrüßen zu können. Dennoch kristallisierte sich immer mehr heraus, wenn ich Brassen am Platz hatte und diese auch fing, ich in der gleichen Session fast zu 90% auch einen der begehrten Karpfen überlisten konnte. Die These, dass Karpfen und Brassen sich den Futterplatz nicht teilen, kann ich leider nicht bestätigen. Zumindest in dem Teilstück, dass ich zu dieser Zeit befischte.
Im Strom der Zeit
Leider wurde ich im Sommer immer wieder durch starke Regenfälle und darauffolgende Hitzeperioden ausgebremst, sodass sich keine Kontinuität bezüglich Wasserstand und Färbung des Wassers einstellen konnte. Gezwungener Maßen musste ich auf ein anderes Teilstück ausweichen, wobei ich auf Anhieb ein richtiges Donaumonster mit ü27 kg überlisten konnte. Durch die vielen Kraftwerke an der Donau ist es möglich, dass ein Streckenabschnitt eine komplett andere Farbe des Wassers beziehungsweise Wasserstand aufweist. Hierbei ist durchaus von Vorteil, einmal über den Tellerrand hinauszublicken um andere Teilstücke zu erkunden und auszuprobieren. Einen Versuch dafür ist es definitiv wert.
Von Wandertag….
Wie jeder Angler der jemals an den Ufern der großen Donau stand, stellte auch ich mir die Frage, wie groß der Karpfenbestand wohl sein würde? Zuerst sei gesagt jeder Streckenabschnitt hat seine Vorzüge aber auch Nachteile. Ein Streckenteil weist viel Nahrung auf oder hat viele Ruhezonen. Wobei ein anderer Abschnitt wieder sehr viel Strömung aufweist und es nur wenig Fressbares gibt. Das Wissen auch unsere gelben Freunde, deswegen gibt es logischerweise Abschnitte mit mehr und welche mit weniger Fisch. Was nur die Wenigsten wissen können Flusskarpfen extreme Wege zurücklegen. Wenn die Nomaden der Flüsse auf Nahrungssuche sind und sich der Stoffwechsel am Höhepunkt befindet, kann ein Fisch auch schon mal bis zu 15 km weit schwimmen. Erst dieses Jahr konnten ein Bekannter und ich, einen Fisch identifizieren, der sogar vor einigen Jahren in einem komplett anderen Schleusenbereich gefangen wurde. Durch den regen Schifffahrt an der Donau dürfte der Fisch durch ein Kraftwerk mitgeschleust worden sein. Sicherlich bleibt das kein Einzelfall.
…und Wiederfänge
Das Verhältnis von Spiegel- zu Schuppenkarpfen beträgt zumeist 1:10 ist aber ebenfalls streckenabhängig. Im Sommer gelang es mir auf meinem Langzeitfutterplatz einen wunderschönen Spiegelkarpfen mit etwas über 15 kg gleich 2 Mal innerhalb einer Woche zu überlisten. Zufall? Eher nicht, denn der Fisch hinterließ beide Male seine Ausscheidungen auf der Matte und diese deuteten auf das eingebrachte Futter hin. Obwohl die Donaukarpfen oft extreme Distanzen am Tag zurücklegen, wusste dieser Fisch offenbar genau wo er seine Leckerlis wiederfinden konnte.
Futter bei die Fische
Ob attraktives, unattraktives, großes oder kleines Futter, die Karpfen in der Donau sind nicht wählerisch. Besonders zur Aktivierung eines zuvor gut auserwählten Platzes, eignen sich hierbei besonders gut Halibut Pellets. Diese geben kontinuierlich Stoffe ins Wasser frei, wobei gleichzeitig die Fische angelockt und am Platz beschäftigt werden. Gleichzeitig füttere ich zu den Pellets einige Hände Boilies bei, so erhoffe ich mir einen Memory-Effekt. Von Partikel würde ich insgeheim abraten, denn diese ziehen zu viele Kleinfische auf den Platz. Werden Partikel zudem nicht anständig gekocht können die Fische davon sehr schnell ,,Bauchschmerzen‘‘ bekommen. Bei der Einschätzung der Menge des Futters scheiden sich hierbei die Geister. Je nachdem wieviel man fangen will, werden schnell einmal einige hunderte Kilo Futter in den Fluten versenkt. Doch ich bin kein Freund von solchen Massenfütterungen. Sicherlich wird durch den regen Schiffsverkehr viel Futter verstreut und einiges davon geht an diversen Weißfischen verloren. Darum ist eine gute Platzwahl unabdinglich beim Einbringen des Futters. Weiters kann man seine Boilies auch halbieren, damit diese länger und vor allem besser am Platz liegen bleiben. Als guter Weggefährte hat sich der Big River Mix erwiesen. Dieser nach Lebkuchen riechende aber auf Fischmehl basierende schwere Mix sinkt vor allem sehr schnell ab und wurde extra für diese Art Fließgewässer konzipiert.
Fazit
Obwohl die Donau durch ihre Regulierung an ,,Schönheit‘‘ verloren hat, kann sie einen unbändigen Reiz auf uns Karpfenangler ausüben. Die verschiedensten Wasserverhältnisse im Laufe des Jahres, Schifffahrt oder einfach nur das Unbekannte unter Wasser. Der ersehnte Biss kann trotz Langzeitfutterplatz Wochen auf sich warten lassen und kann zumeist sehr zermürbend sein, aber vielleicht hängt genau dann ein richtiges Donaumonster am Haken. Wer unbekannte und namenlose Fische fangen möchte ist hier genau richtig, dennoch ist die Donau mit sehr viel Arbeit verbunden und verlangt dir zumeist alles ab. Ich bin stolz ein Karpfenangler in der großen Donau zu sein, obwohl der Komfort und die Erholung definitiv zu kurz kommt und zumeist nicht gegeben ist, aber der Drang etwas Außergewöhnliches zu erleben ist bis dato viel größer. Vielleicht lässt dieser Drang eines Tages nach, aber bis dahin bleibe ich im Fluss.
Thight lines
Stefan Hurnaus

 

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