Zwei Wochen Freiheit – Teil 3 | by Jonas Hillebrands

Zwei Wochen Freiheit – Teil 3 | by Jonas Hillebrands

Da war nun also unsere erste Woche des Trips bereits vorüber und wir saßen trotz den anfänglichen Schwierigkeiten voll motiviert im überbeladenen T5 und sprachen über jenes, was uns vielleicht noch erwarten könne. Ein kurzer Zwischenstopp bei McDonalds und wir waren bereit für die letzten 50 Kilometer bis zum Ziel.

Irgendwie immer wieder ein absoluter Motivationsschub zu Moven, auch wenn es vorher nicht so lief wie erhofft! Wie ließen uns nicht von irgendwelchen Vorkommnissen ablenken, hatten schließlich zusammen auch 4 Fische bereits fangen können.

Aber genug für die erste Woche, in der zweiten Woche kam es richtig geil!

Wir kamen am See bei sommerlichen 25 Grad an und es weht ein lauer Wind, welcher die nächsten Tage doch deutlich zulegen sollte! Wir positionierten uns im nördlichen Teil des Sees, da der Wind konstant aus Süd bis Süd-West kommen sollte. Die Nachtangelzone war frei und dieses immer wiederkehrende Gefühl pochte in uns, heiß endlich drauf loslegen zu können!

Der Wasserstand im See war extrem tief gefallen und die Steilkanten ließen ein Aufbauen vor den Ruten unmöglich machen. Es nützte alles nichts und so positionierten wir uns oberhalb, in geschätzt 10-13 Meter Höhe, zu den der Ruten.  Jeder Gang nach unten und wieder rauf schlauchte schon gewaltig, zumal die Temperaturen und der fehlende Schatten ihr Übriges dazu beitrugen. Schnell merkten wir, dass es kaum möglich war für jeglichen Gang hoch und runter zu laufen und beschlossen, unser Endgame an einer großen Wurzel zu positionieren um alles direkt unten zu haben.

Doch der steile Winkel runter zu den Ruten war nicht das einzige Problem. Tausende Steine in allen möglichen Größen und riesige Wurzeln beeinträchtigten den Gang doch jedes mal. Kaum auszudenken, was passieren kann, wenn der Bissanzeiger nachts losschreien sollte. Aber wir wagten dies alles weil es einfach zu sehr nach Fisch roch und so hatten wir doch relativ schnell einen Weg nach unten gefunden, der meist mit Sand bedeckt war. Dieser Weg ist übrigens auch bereits auf dem GPS eingespeichert, man weiß ja nie!

Ich fischte von unserem Camp aus nach links und war gezwungen, unseren Weg nach unten zu gehen und parallel an der Wasserkante zu meinen Ruten. Es war einfach nicht möglich, diagonal auf dem direkten Wege zu den Ruten zu gelangen. Dafür entschädigte der Ausblick aus meinem Zelt doch mal richtig, oder?

Die Ruten lagen auch bei allen relativ schnell, da trotz des niedrigen Wasserstandes der See bereits nach kurzer Zeit Tiefen preisgab, die nicht beangelbar gewesen wären. Danach war es dann auch Zeit endlich mal auszuspannen und das restliche Camp herzurichten. Wir sind alle keinen großen Fans des campieren, bauten aber trotzdem ein viertes Zelt auf um einfach „gemütlicher“ zu angeln und zur Not auch zusammen im Zelt sitzen zu können. Zumal der Wind auch Regen mit sich brachte und somit musste nicht jeder in seinem Zelt sitzen.

Wir waren also nun endlich angekommen und beschlossen auch unsere restliche Zeit hier zu verbringen. Zu viel Zeit verloren wir einfach durch das Ganze auf und abbauen in den letzten Tagen und die effektive Angelzeit hielt sich dementsprechend ebenfalls in Grenzen.

Die Wettervorhersage änderte sich bereits gegen Nachmittag auf heftigen Wind, jedoch nun ohne jegliche Niederschläge. Wir waren froh, dass unsere Ruten bestens an Ihren Spots lagen, denn am Horizont konnte man den herannahenden Wind förmlich schon riechen.

In geselliger Runde bei einer heißen Tasse Kaffee schoss dann plötzlich gegen späten Nachmittag die Rute von Adrian los und der erste Schuppi konnte nach kurzem Drill gelandet und versorgt werden. Bestens gelaunt legte ich mit ihm zusammen die Rute wieder ab und die Rückfahrt zum Camp konnte beginnen. Der Wind war merklich aufgefrischt und ohne den Verbrennermotor wäre das ganze schon kritisch geworden. Problemlos trafen wir jedoch am Ufer an und die Rute lag wieder frisch an dem Platz, welcher uns den ersten Fisch des Gewässers lieferte.

Die nächsten Stunden und die darauffolgende Nacht waren dann, gerade für Adrian, so wie sie im besten Fall verlaufen sollten. Er stach mit seinem Spot wohl wirklich in ein Wespennest, prall gefüllt mir Karpfen. Insgesamt 5 Bisse konnte er in gerade einmal 15 Stunden für sich verbuchen, wobei leider auch 2 Fische verloren gingen. Wie auch bereits am ersten Gewässer, lag hierbei wohl tatsächlich das Problem an den Absenkbleien, die wir daraufhin ebenfalls komplett wegließen. Die Raubfischangler an diesem See hielten sich doch arg in Grenzen, weswegen wir dies ohne größere Probleme tun konnten.

Bei Nico und mir hingegen war es in den ersten 24 Stunden ruhig, nichts tat sich an unseren Spots. Wir beschlossen noch mindestens den Vormittag abzuwarten ob sich bei uns auch etwas ergeben sollte. Und pünktlich zum morgendlichen Kaffee, kam mein erhofften „Kaffeefisch“ auf einer Rute, die unterhalb eine langgezogenen Ausläufers von mir platziert wurde. Kein großer Fisch zeigte sich, dafür ein ganz besonderer in seiner Zeichnung. Ein guter Einstand und in den ersten morgendlichen Sonnenstunden fotografierten wir dieses tolle Exemplar.

Auch Nico konnte kurze Zeit später mit einem Doppelschlag nachlegen und so hatten wir nach noch nicht einmal 24 Stunden Angelzeit bereits alle Fisch gefangen. Es lief also bestens an und wir setzten auf ein wenig mehr Futter und verteilten dies großflächiger auf und um die produktiven Spots. Ich für meinen Teil fütterte eine Mischung aus White Balls und „Cray Mussel“, alle als Kissen-Form um auch den steilen Kanten Paroli bieten zu können. Teilweise halbierte ich die Boilies zusätzlich und konnte so ganz sicher sein, dass diese nicht die steilen Kanten herunterrollten. Als Hookbait verwendete ich eine Kombination aus dem jeweiligen Kissen und unseren „Glugged Tigernuts“. Die Version der White Ball gefällt mir besonders, da das verwendete Fruchtextrakt und das Lemon Öl sich sehr gut ergänzen und vor Attraktoren nur so explodieren.

Der Anfang war also gemacht und mein großer Ausläufer schien nun ordentlich anzulaufen. In den nächsten 2 Tagen fing ich weitere 4 Fische, allesamt besonders. Teils mit atemberaubender Beschuppung, alt und urig oder aber dickbäuchig mit besonderen Charakter. Generell hatte ich von allen Fischen des Trips kaum „normale“ Fische, jeder auf seine Art wirklich besonders und toll anzuschauen.

Gegen Mitte der Woche nahm der Wind dann immer mehr zu und ohne den Verbrenner wäre das Auslegen der Montagen gar nicht mehr möglich gewesen. Der Wind zog zu unserem Wohle aber nur durch den tiefliegenden Kanal, traf unser Camp oberhalb nur kaum. Weiterhin beste Bedingungen durch den hohen Sauerstoffgehalt, welcher nur so in das Wasser gepeitscht wurde. Fische hatten wir bis dato auch einige fangen können und die letzten Tage wurden in vollen Zügen genossen. Wir bemerkten allerdings auch, dass die Bissfrequenz bei allen am vierten Tag deutlich nach unten ging. Das Hoffen auf einen der Großen konnte also beginnen, wir waren wirklich überzeugt, dass hier noch etwas Besonderes passieren musste!

Am kommenden Morgen bereiteten wir unser Frühstück vor und ich begann den Kaffee zu kochen, um hoffentlich wieder einen Biss zu bekommen. Der „Kaffee-Fisch“ hatte bereits einen festen Platz in unserem Wortschatz und irgendwie musste man immer wieder schmunzeln, traf dies bei mir wirklich perfekt zu. Über 60% meiner Fische bis dato fing ich morgens in der Zeit zwischen 07 und 09 Uhr morgens. Und es ist wirklich kein Witz aber meine Rute lief an diesem Morgen wieder pünktlich um 08:30 Uhr los und ich begann mein Abstieg wie gewohnt zu den Ruten.

Adrian folgte mir und wir waren schnell bei der Rute und fuhren dem Fisch entgegen. Da ich am Vortag eine Rute auf das gegenüberliegende Ufer zog, wo ich bereits mehrere Tage fütterte, wollten wir einen kleinen Bogen um die Schnur fahren. Da aber bereits einige Tage vorher die Absenker in den Tackleboxen verschwanden, bekamen wir nun die Quittung dazu!

Die Komponenten aus dem heftigen Wind, dem ziehenden Fisch und der quer liegenden Schnur der anderen Rute machten das Chaos dann perfekt. Wir fuhren samt Motor, Paddeln und Ösen in die Schnur und fingen diese komplett ein. Zuerst versuchte ich die Schnur zu befreien, sah aber relativ schnell ein, dass dies einfach unmöglich war. Adrian war nur damit beschäftigt das Boot in der Position zu halten, sodass er auch nicht helfen konnte. Das wirklich absolute Chaos war nun dort, sogar an meiner Rolle verfing sich das Geflecht der anderen Schnur und ich konnte nicht mal mehr kurbeln. Es half alles nichts mehr, da die Schnur sich auch bereits fies um unsere Körper gewickelt hatte. Ich nahm also meine Schere und musste extrem aufpassen, dass ich nicht die falsche Schnur kappte. Es mag sich ungläubig anhören, die Schnur eventuell zu verwechseln aber sie war einfach überall im Boot!

Nach mehreren Schnitten konnte ich dann zumindest meine Rolle und unsere Körper befreien. Wir hatten zwar immer noch unglaublich viel Schnur im gesamten Boot aber das Chaos lichtete sich ein wenig und das wichtigste, am Ende der richtigen Schnur kam noch Druck, extremer Druck!

Wir waren uns beide einig, dass diese Situation etwas Besonderes nach sich ziehen sollte. Und als der Fisch das erste Mal in der oberen Wasserschicht erkennbar war, bestätigte dies unsere Hoffnung. Ein gewaltiger Schuppenkarpfen hatte sich das Cray Mussel Kissen schmecken lassen. Es dauerte noch eine Weile aber irgendwann hatten wir den Brocken an Bord und waren erleichtert, voller Adrenalin, aber auch total platt von den Strapazen kurz zuvor.

Und was für ein alter Charakterkopf dieser Fisch war. Ein riesiger Schädel zierte das Tier und mit weit über einem Meter auch noch extrem lang in seiner Form. Man merkte schnell, dass es sich hier um einen der ganz alten Bewohner handelte, stand er leider auch nicht so wie die anderen jüngeren Fische im Futter. Aber das interessierte mich wirklich absolut nicht und so schauten wir, dass wir den Guten möglichst schnell wieder in das Wasser zurückließen. Ein bis zwei Sicherheitsfotos an Land über der Matte, kurz darauf ging ich dann mit ihm in das Wasser um noch ein paar weitere Fotos zu machen. Ein absolut geiler Fisch mit einer Story im Background wie sie besser nicht sein konnte!

Da war er also nun, der große „Kaffee-Fisch“ und wie die darauffolgende Motivation bei allen aussah, kann sich bestimmt jeder von euch denken! Meine Rute lag also keine 15 Minuten nach dem

zurücksetzen des Fisches wieder an ihrem Spot, ich lag schließlich noch in der absolut produktiven Zeit. Der nächste Kaffee wurde aufgesetzt und exakt 45 Minuten später pfiff die nächste Rute bei mir los. Nicht dieselbe, welchen den urigen Saurier brachte, jedoch meine Joker-Rute auf knapp 20 Meter Tiefe und kaum Beifutter. Ich meine sie lag knappe 2 Tage am Spot ohne jegliches Lebenszeichen, aber genau diese Ruten bringen immer wieder besondere Fische.

Ein erneutes Kissen bescherte den Biss, diesmal ein White Ball, gesoakt im selbigen Liquid. Die üblichen Handgriffe und dieses Mal saß ich mit Nico im Boot, dem Fisch entgegen. Der Spot lag wie bereits erwähnt auf 20 Meter an einer steil abfallenden Kante. Grundsätzlich kamen die meisten Bisse an diesem See auf freien, steilen Sandflecken. Der Fisch stand eine gute Zeit unter dem Boot und schnell war es beiden wieder klar, dass es sich um einen der besseren Exemplare handeln müsse.

Nico machte während des Drills tatsächlich ein Foto, welches einfach hier in den Bericht rein muss! Es ist nicht die beste Qualität aber eine geniale Erinnerung, welche ich mit euch teilen möchte.

Da saßen wir nun auf den Tubes des Schlauchbootes, die Wellen rollten auf uns zu und machten die Sache nicht einfacher. Aber ganz ehrlich, dies ist genau meine Angelei und jede Sekunde wurde genossen. Als wir den Fisch das erste Mal kurz sahen, erkannten wir beide direkt einen großen Schuppenkarpfen. Immer eine Erlösung bei mächtigem Druck, wenn kein Waller hochkommt. Der Drill war dann kurze Zeit später auch vorbei und der Fisch war im Kescher. Kämpferisch zeigte sich die alte Dame kurz zuvor zwar besser, was da aber im Kescher lag war unbeschreiblich.

Es war gar kein Schuppenkarpfen, sondern ein Spiegelkarpfen, gemasert von hunderten Schuppen auf seinem kompletten Körper! Wir mussten wirklich mehrfach schauen und waren auch erst überzeugt als wir den Fisch im Boot hatten, aber es war einfach ein unfassbarer Fisch. Selbst konnte ich noch nicht annähernd solch einen schönen Fisch fangen und obendrein war er richtig groß. Völlig perplex ging es also wieder Richtung Camp wo Adrian bereits wartete und alles herrichtete. Wir ergänzten uns den ganzen Trip über super und waren so auf jegliche Situationen bestens vorbereitet. Also ich die Wiegeschlinge öffnete und der ganze Fisch zum Vorschein kam, bracht einfach nur noch lautes Gelächter aus, da es keiner von uns dreien so richtig fassen konnte, aber sehr euch das Teil selbst an.

Der Fisch war einfach unbeschreiblich und solch ein Teil aus einem über 700 Hektar großen See zu fangen, war einfach unbeschreiblich!

Auch Stunden später kam ich einfach nicht aus dem grinsen heraus, es ging einfach nicht! Der erste der morgendlichen Doublette war schon ein unfassbarer Fang aber danach toppte der fully-fully-fully Fisch einfach alles.

Natürlich legte ich meine Ruten an dieselben zuvor produktiven Spots und fütterte lediglich wieder nur 1 Hand Kissen auf die Spots. Mittlerweile wurde es schon fast wieder dunkel und auch die Jungs konnten über den Tag verteilt jeder noch Fische fangen. Am Abend wurde es dann immer windiger und auch der Regen setzte stark ein. Spätestens jetzt spielte sich das „Gemeinschafts-Zelt“ aus und so konnten wir noch lange in die Nacht über diesen verrückten Tag sprechen.

Der Urlaub neigte sich nun so langsam dem Ende zu, die Fisch bissen aber weiterhin! So gelang es allen, noch weitere Fische zu fangen und den Urlaub wirklich unvergessen zu gestalten.  In den letzten beiden Tagen fanden 5 weitere Fische unsere Hookbaits, von denen ich euch natürlich auch die schönsten zeigen möchte.

Nun wünsche ich allen Lesern eine stressfreie Weihnachtszeit und denkt daran, solange kein Eis drauf ist, kann auch etwas gehen!

Jonas Hillebrands

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